PROJEKT GLÜHWÜRMCHEN


Ausgehend von dem berühmten Text Pasolinis „Das Überleben der Glühwürmchen“ und basierend auf seinem „Théâtre des Idees“, Gesprächen mit französischen Philosophen der Gegenwart auf dem Theaterfestival in Avignon, hat der französische Autor Nicolas Truong  einige moderne Denker in einen Dialog und in ein Streitgespräch eintreten lassen, unter anderem Alain Badiou, Jacques Derrida, Annie Le Brun, Georgio Agamben, Jacques Rancière.

Auf der Theaterbühne übernimmt ein Paar den daraus entstandenen Ideenstreit.  Mit großer Lust und Engagement buchstabiert es seine Beziehung mit diesen philosophischen Textfragmenten und Wörtern. Mann und Frau demonstrieren, dass das Denken auch eine Geschichte des Lebens und Begehrens sein kann; dass es keine Ideen ohne den Körper gibt, aber auch keinen Körper ohne Ideen, wie eine der Philosophinnen im Text formuliert.

Das Projekt Glühwürmchen ist ein bisschen so wie Nietzsches Geschichte von den Metamorphosen des Geistes: „Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kameele wird, und zum Löwen das Kamel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.“ Dazu schreibt Nicolas Truong: „Der mutige Geist, der zu Beginn ein Kamel ist, akzeptiert die schwere Last der Tradition und der Moral, die er durch die Wüste trägt. Zum Löwen geworden zerbricht er die Idole, kritisiert die überkommenen Werte dank der Willenskraft. Zum Kind transformiert wird er Freude, Spiel und Unschuld des Werdens.“

 

Premiere: 7. April 2016

mit Elisabeth Auer, Rainer Escher und Mathias Wendel

Konzept und Inszenierung: Rainer Escher, Bühne: Holger Endres und Rainer Escher, Kostüme: Bea Albl, Produktion und Öffentlichkeit: Holger Endres, Grafik: Daria Holme, Übersetzerstimme vom Band: Dirk Mühlbach, Licht: Raimund Becker, Technik: Reda Regragui

 

Fotos: Christian Kleiner

 

 

Das schreibt die Presse

 

Spiel mit klugen Worten

Den Mut muss man erst einmal haben, Hochtrabendes von Giorgio Agamben, Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Guy Debord, Jacques Rancière, Georges Didi-Hubermann, Alain Badiou . . . auf die Bühne zu bringen. Kennen Sie nicht? Macht nix, Spaß kann auch haben, wer schlicht Freude am Denken hat und sich ohnehin täglich wundert, wie das Ding namens Leben – und womöglich auch noch Zusammenleben – funktioniert. Haben die großen Geister doch nur hochkonzentriert zum Ausdruck gebracht, was uns alltäglich am Alltäglichen verwundert.

In den Mund gelegt wird das philosophische Konvolut von Nicolas Truongs Theaterstück den Mimen Mathias Wendel und Elisabeth Auer, die den Text bewundernswert sprachlogisch gliedern und mit teils buchstäblicher tänzerischer Leichtigkeit aufbereiten.

Ralf-Carl Langhals im Mannheimer Morgen

 

… Experimentelles Theater mit tiefen Gedanken in literarisch geformter Sprache ist ein Lieblingskind des Neuen Ensembles und seines Regisseurs Rainer Escher.

Der Intellekt feiert sich selbst in Rederitualen. Die Sprache ist literarisch geschliffen; die Gedanken sind treffsicher formuliert und oft genussvoll brillant. Die sprachliche Leistung, all diese Geistesblitze nicht nur unbeschadet, sondern auch eindrücklich an den Zuschauer zu bringen, ist bewundernswert.

Mittels ausdrucksvoller Gestik und Mimik sowie auflockernden Performance-Einfällen nehmen die Worte eine optische Gestalt an, die nachwirkt. Was sie beinhalten? Flüchtigen Schönsprech, vorüberrauschende Gedankensplitter: Philosophie eben.

Heike Marx in Die Rheinpfalz

 

… die menschlichen Geschöpfe unserer heutigen Gesellschaften sind wie die Glühwürmchen besiegt und vernichtet worden, sie wurden aufgespießt und ausgetrocknet unter dem künstlichen Licht der Scheinwerfer, dem panoptischen Auge der Überwachungskameras oder der todbringenden Agitation der Fernsehbildschirme. …

… Es handelt sich nicht um eine Nostalgie der Erinnerungen, sondern um die Inständigkeit von Fragen, das Weitertreiben einer Bresche. Das ist auch etwas anderes als der bloße Rückzug des kritischen Denkens …
Damit ist keinerlei Verzweiflung verbunden. Sondern eine starke Spannung.
Viel Arbeit liegt vor denen, die nicht dumm sterben wollen. …

 

DONNERSTAG
19/05/16
20:00
PROJEKT GLÜHWÜRMCHEN THEATER FELINA AREAL

Die Produktion wird gefördert vom
Innovationsfons Kunst Baden-Württemberg